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"Am liebsten würden wir gleich ins Referendariat gehen ..."

18 01 Praktikanten

Gegen Ende ihres viermonatigen Praktikums hat die Presse-AG unsere zwei Praktikanten Herrn Uyar und Herrn Bork noch einmal interviewt. Hier die Aufzeichnungen aus unserem Gespräch ...

 

Herr Uyar, Herr Bork, Sie sind seit September am Gymi Mengen im sogenannten „Praxissemester“. Andere Praktikanten kommen zu einem Orientierungspraktikum an unsere Schule. Worin besteht der Unterschied? 

Herr Uyar: Seit mehreren Jahren muss jeder Student, der auf Lehramt studiert, vor oder während seiner Ausbildung zwei Praktika machen, um sich in der Praxis zu bewähren und herauszufinden, ob ihm die Arbeit als Lehrer wirklich liegt und zusagt. Das sogenannte „Orientierungspraktikum“ dient eher dem „Schnuppern“. Es dauert nur zwei Wochen und muss bis zum 2.Semester nachgewiesen werden. Wir befinden uns gerade im Praxissemester, das vier Monate umfasst und auch praktisches Unterrichten vorschreibt.

Wie viele Stunden müssen Sie denn unterrichten? 

Herr Bork: Für das Praktikum an der Schule gibt es die Vorgabe, dass man in den vier Monaten insgesamt in 100 Unterrichtsstunden hospitieren und 30 Stunden „angeleiteten Unterricht“ geben soll, das bedeutet, dass der Unterricht vor- und nachbesprochen und vom Fachlehrer begleitet wird. Man soll möglichst in jedem Fach, das man studiert, 15 Stunden unterrichten.

Gab es noch andere Vorgaben für Sie?

Herr Bork: An den Nachmittagen mussten wir zusätzlich 32 Stunden Pädagogik und 16 Stunden Fachdidaktik pro Fach am Seminar Weingarten besuchen.

Herr Uyar: In Pädagogik lernt man, wie man mit Schülern und besonderen Situationen in der Schule umgehen kann, welche Methoden es gibt und wann man sie anwendet.

Und wer legt fest, an welcher Schule die Praktikanten ihr Praxissemester absolvieren?

Herr Bork: Man bewirbt sich konkret auf eine Schule. Man darf sich erst auf die nächste bewerben, wenn man von der vorherigen eine Absage erhalten hat.

Warum haben Sie sich ausgerechnet das Gymi Mengen für ihr Praxissemester ausgesucht?

Herr Bork: Mir war es wichtig, an eine bekannte Schule zu kommen und ich wollte eine möglichst kleine Schule. Da meine Eltern in Pfullendorf wohnen, war Mengen für mich nach dem ersten positiven Eindruck aus dem Orientierungspraktikum eine gute Wahl. 

Herr Uyar: Für mich waren es die gleichen Gründe: Ich wohne in Herbertingen … :) 

Kannten Sie sich vor dem Praxissemester schon?

Herr Uyar: Nein, obwohl wir beide in Tübingen Englisch studieren, sind wir uns dort nicht begegnet. Das erste Mal haben wir uns am 11.09. im Seminar in Weingarten bei der Begrüßung der neuen Studenten gesehen.

Herr Bork: Witzigerweise haben wir beide – aber zeitlich unabhängig voneinander – unser Orientierungspraktikum hier am Gymnasium gemacht und wollten deshalb beide auch zum Praxissemester wieder herkommen. 

Hatten Sie Zeit, sich ein bisschen einzugewöhnen oder haben Sie sofort mit dem eigenen Unterricht losgelegt? 

Herr Bork: Normalerweise beginnt man ungefähr am Ende des ersten Monats, doch bei mir war es viel früher als gedacht. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, erst einmal die ersten eineinhalb Monate zu hospitieren, aber Herr Nowack hat mich ein bisschen „gepusht“ und bereits in der zweiten Woche in den eigenen Unterricht in Klasse neun geschickt. Das war aber auch gut so; ich konnte beim Thema Wahlsysteme in Deutschland schon viel Unterrichtserfahrung sammeln.

Herr Uyar: Ich habe im zweiten Monat mit Unterrichten angefangen, als die beiden 8.Klassen zusammengelegt waren, weil die Hälfte der Schüler in Boulay war. 

Ihre vier Monate sind fast vorbei – was hat Ihnen in Ihrem Schulpraktikum am Gymnasium Mengen besonders gefallen? 

Herr Bork: Vor dem Praktikum dachte ich, dass das Vor-der-Klasse-Stehen der schwierige Teil wird und die Seminare in Weingarten der entspannte Part - aber das Gegenteil war der Fall. Mir ist es erstaunlich leicht gefallen, vorne zu stehen und zu unterrichten und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Seminare waren auch interessant, aber das Unterrichten selber war wirklich das Tollste. Das liegt natürlich vor allem an euch Schülern! 

Herr Uyar: Mir hat besonders die Freundlichkeit der Schüler gefallen und dass alle so gut mitgearbeitet haben. Ich war mir bei den Vorbereitungen des Unterrichts manchmal nicht ganz sicher, ob ich wirklich das richtige Niveau treffe, den Unterricht nicht zu leicht und nicht zu schwer gestalte. Ich hatte den Eindruck, dass die Schüler mit allem zurechtgekommen sind und sich immer gut beteiligt haben. Wir konnten auch vieles ausprobieren, und die Schüler haben bereitwillig mitgemacht.

Was sagen Sie zum Thema „pädagogische Zusatzarbeiten“? Verteilen Sie auch Strafarbeiten?

Herr Uyar: Nein, das war absolut nicht nötig. Wir haben zwar im Seminar einiges gelernt, wie man auf Unterrichtsstörungen angemessen reagiert, doch Strafarbeiten mussten wir keine verteilen.

Herr Bork: Man muss vorher klar sagen, was passiert, wenn man die Regeln des Lehrers nicht einhält. Ein mehrstufiges Modell ist in der Regel geeignet. Und natürlich steht nicht im Vordergrund, den Schüler eine Seite aus dem Buch abschreiben zu lassen. Das Wichtigste ist es, konsequent zu sein.

Bereiten Sie den Unterricht selbst vor?

Herr Uyar: Ja klar, aber wir konnten uns immer Hilfe bei den Kollegen holen. 

Herr Bork: Die Kollegen, bei denen wir unterrichten durften, haben in der Regel das Unterrichtsziel der Stunde vorgegeben, also was in dieser Stunde gelernt oder geübt werden soll. Aber bei der

Gestaltung hatten wir freie Hand. Wir durften auch selbst das Unterrichtsmaterial heraussuchen, also Bilder, Texte und geeignete Aufgaben. 

Wie groß war denn Ihr Arbeitsaufwand, wie lange brauchten Sie etwa, um eine Unterrichtsstunde vorzubereiten?

Herr Uyar: Ich habe für die Vorbereitung von 45 Minuten Unterricht meist zwei bis drei Stunden gebraucht. 

Herr Bork: Schon während des Praktikums hat man aber auch deutlich zu spüren bekommen, dass man theoretisch unendlich viel Zeit in eine Schulstunde stecken kann, man kann sie immer noch besser machen. Positiv ist, dass die Stunden, in deren Vorbereitung ich viel Zeit investiert habe, dann auch gut gelaufen sind. Je besser man vorbereitet ist, desto runder läuft der Unterricht in der Regel auch. 

Bei welchen Lehrerkollegen durften Sie im Unterricht zuschauen oder auch selbst unterrichten?

Herr Bork: Ich habe alle englischunterrichtenden Kollegen und Herrn Nowack als einzigen Gemeinschaftskundelehrer an der Schule besucht.

Herr Uyar: Ich war bei fast allen Kollegen, die meine Fächer, also Englisch und Geschichte, unterrichten. Uns wurde aber auch angeraten, uns gegenseitig im Unterricht zu besuchen. 

Welche Eindrücke konnten Sie aus Ihrem eigenen Unterricht und den beobachteten Stunden mitnehmen?

Herr Bork: Wir wurden eher dazu ermutigt, Methoden auszuprobieren, die nicht alltäglich sind. In der J1 habe ich z.B. einmal eine Fishbowl-Diskussion durchgeführt. Dabei werden fünf Positionen vorbereitet. Im Stuhlkreis stehen dann fünf Stühle, für jede Position einer, der in der Diskussion belegt ist. Hinter jedem Schüler stehen zwei bis drei Mitschüler, welche dann bei der Diskussion eingewechselt werden können. Diese Methode hat gut funktioniert.

Herr Uyar: Jeder unterrichtet anders, und man kann von jedem etwas lernen, weil jeder seine eigene Art hat. Ich habe beispielsweise hier gesehen, dass Gruppenarbeit auch mit kleinen Gruppen funktioniert.  Außerdem habe ich mir viele kleine Tricks und Methoden abgeschaut, wie man Unterrichtsanteile an Schüler abgeben kann. Ein Beispiel: Wenn ich einen Lückentext auf Folie vorbereitet habe, muss ich nicht als Lehrer anschließend die Schüler aufrufen und ihre Lösungen eintragen, sondern kann während des Arbeitens Folienstreifen an einzelne Schüler verteilen, die anschließend das Vergleichen vorn übernehmen. 

Aber da verliert man doch Zeit??!! 

Herr Uyar: Das kann man aber vorher einplanen. Und die Schüler aktiv werden zu lassen lohnt sich, weil sie dann viel motivierter und konzentrierter sind. 

Wie stehen Sie zu Frontalunterricht? 

Herr Bork: An der Uni hat man uns eingetrichtert, dass der Wechsel von Arbeitsphasen und Methoden das A und O ist. Meine Erfahrung ist aber, dass es bei manchen Themen einfach effizienter

ist, ein Thema schnell im Frontalunterricht zu bearbeiten. Dann hat man anschließend mehr Zeit, die nachfolgenden Phasen mit spannenderen Methoden zu gestalten. 

Herr Uyar: Ich hatte das Glück, dass ich viele verschiedene Kollegen und damit auch verschiedene Methoden sehen konnte. Aber auch ich habe erlebt, dass Frontalunterricht erfolgreich sein kann.

Bevorzugen Sie beim Unterrichten eine gewisse Altersstufe?

Herr Uyar: Ich mag alle Stufen gleich gern. Bei jüngeren Schülern baut man mehr Spiele ein, bei älteren arbeitet man einfach anders.

Herr Bork: Ich habe mich in der 9.Klasse besonders wohl gefühlt. Manche Kollegen finden sie besonders anspruchsvoll, für mich war das eher eine gute Übung. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mich mit den Neuner-Jungs sehr verbunden gefühlt habe, weil sie genauso gerne FIFA spielen wie ich. In der zweiten Praktikumswoche haben sie zufällig herausgefunden, dass ich während meiner eigenen Schulzeit vier Jahre professionell FIFA gespielt habe, also auch an einigen Turnieren teilgenommen und Interviews dazu gegeben habe. Die Jungs hatten dann sehr konkrete Fragen an mich, z.B. welche Aufstellung für ihre Mannschaft gut wäre – selbstverständlich in den Pausen. Dadurch entstand ein gewisser Draht zwischen den Schülern und mir.   

In der Oberstufe war alles sehr lässig. Dort arbeiten die meisten sehr konzentriert mit und es gibt wenig Ablenkungsmanöver, es war „fast schon zu angenehm“. :)

Herr Uyar: Auch auf mich sind einige Jungs aus der siebten Klasse zugekommen und waren dann sehr enttäuscht, als ich ihre Frage nach einer Proficomputerspielkarriere verneint habe. 

Haben Sie auch Erfahrungen außerhalb des Unterrichts gesammelt?

Herr Bork: Ich würde die Modulwoche hervorheben. Es war besonders interessant, spezielle Positionen einzunehmen oder auch Gruppen zu leiten, zum Beispiel im Fair Trade-Projekt in Klasse 9. Im Laufe der Woche waren wir in den unterschiedlichsten Projekten: 

Am Montag waren wir bei den Fünftklässlern beim Thema „Gesunde Ernährung“ dabei und haben u.a. beim Schnippeln von Obst mitgeholfen, am Dienstag haben wir die J1 zu den Maltesern in Sigmaringen begleitet, am Mittwoch waren wir mit den Sechsern beim Fahrradtraining unterwegs, am Donnerstag haben wir mit der J1 eine Schnitzeljagd gemacht und haben ein Assessmentcenter-Training gemacht und am Freitag haben wir, wie bereits erwähnt, die Neuner bei ihrem Fair Trade-Projekt unterstützt. Es war toll, bei so vielen verschiedenen Klassen und Themen dabei zu sein, und wir konnten fast überall aktiv werden und ganz vielfältige Erfahrungen machen. 

Herr Uyar: Ich war außerdem mit der 8a mit Frau Moser in Stuttgart im Porsche-Museum und im Turm-Museum im Rahmen des Erdkunde-Unterrichts. Es war sehr interessant, worauf man alles achten muss – zum Beispiel überprüfen, ob auch alle Schüler tatsächlich im Zug sitzen und dass keiner mit anderen Passagieren Streit anfängt. Außerdem musste ich schlichten, als andere Passagiere unsere Schüler ärgern wollten. 

Finden Sie das Praxissemester in seiner jetzigen Form gut? 

Herr Bork: Es ist in jedem Fall sehr gut, dass man ein ganzes Praxissemester machen muss. Früher gab es während der Lehrerausbildung kein vergleichbares Praktikum – da studierte man zehn Semester und länger und erst danach hat mancher gemerkt, dass der Lehrer-Beruf nichts für sich ist.

Fühlen Sie sich fit fürs Referendariat?

Herr Bork: Ja, diese drei Monate Praxis haben mir unendlich viel mehr gebracht als die sechs Semester Pädagogik vorher. 

Herr Uyar: An der Uni gibt es viele Seminare/Themen, die wenig mit der Praxis zu tun haben. Nach dem Praxissemester sind wir, denke ich, gut auf das Referendariat vorbereitet. 

Wie geht es für Sie beide jetzt weiter? Freuen Sie sich auf die kommenden Semester?

Herr Bork: Eigentlich würde ich jetzt am liebsten direkt mit dem Referendariat loslegen! Man hat sich jetzt so richtig in seinen künftigen Beruf eingefügt und an den Tagesablauf gewöhnt. Doch wir müssen leider noch mal ein bisschen studieren. Das Praxissemester zählt als 7. Semester; wir haben also frei bis April, bis das Sommersemester beginnt. Ich gehe in dieser Zeit arbeiten. 

Herr Uyar: Die Regelstudienzeit im Lehramt beträgt zehn Semester und erst danach geht es ins Referendariat. Nach dem Praxissemester mag man gar nicht wieder an die Uni, sondern würde am liebsten direkt mit Unterrichten weitermachen und auf die Seminararbeiten und die trockene Theorie verzichten.

Ein Wort zum Abschied? 

Herr Bork: Ich möchte mich bei allen Schülern, Lehrern und der Schulleitung für die schöne Zeit und die gute Zusammenarbeit bedanken. Nicht einmal mein Nasenring und Tattoo haben für Aufsehen gesorgt, das hat mich sehr erleichtert. Meine Mutter war vor Beginn des Praktikums ziemlich besorgt, wie Schüler und Kollegen darauf reagieren würden. Ich war dann sehr überrascht, weil es am Gymi Mengen niemals Thema war, niemand war überrascht oder irritiert, ich durfte so auftreten, wie ich mich wohl fühle. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar. 

Herr Uyar:  Auch ich möchte mich bei allen Schülern und Lehrern bedanken, es gab so viele Situationen, in denen ich einiges für mich selbst lernen konnte. Das Praxissemester in Mengen hat uns wirklich in unserem Berufswunsch bestärkt, und die letzten Semester kriegen wir jetzt auch noch rum! :)

Herr Uyar, Herr Bork, wir danken Ihnen für das nette Gespräch! 

Interview am 12.12.2017 (M.Grauer, A.Richter)

Foto: Presse-AG; Sept. 2017

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